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Kongresse, Symposien & Tagungen

Im kreativen Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne lädt die Hochschule für Musik Carl Maria von Weber regelmäßig zu Kongressen, Symposien und Tagungen von internationalem Rang ein. Dabei ist die renommierte Institution Gastgeber und Ausrichter zugleich.


"Überdada, Componist und Expressionist" - Ein Tag für Erwin Schulhoff - vor 100 Jahren in Dresden

14. November 2018: Vorträge und Konzert

Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden, Wettiner Platz 13, 01067 Dresden
Eintritt frei!

Der Prager Komponist Erwin Schulhoff (* 1894) lebte 1919/20 in Dresden. Er gehört zu den schillerndsten Persönlichkeiten der musikalischen Moderne und hat sich um 1920 mit unterschiedlichen Zeitströmungen auseinandergesetzt – mit Expressionismus, Dadaismus, Jazz, Neuer Sachlichkeit und Neoklassizismus. Er war jüdischer Herkunft, wurde nach der Besetzung Tschechiens interniert und starb 1942 im deutschen KZ Wülzburg (Bayern).

In Dresden veranstaltete Schulhoff Konzerte, komponierte vielseitig und suchte Kontakte zu bildenden Künstlern. Er strebte ein interdisziplinäres Miteinander an und wollte die Künste der Zeit in einen Dialog bringen. Er wurde Mitglied der Dresdner Sezession „Gruppe 1919“, nahm Kontakt zu Arnold Schönberg in Wien und zu George Grosz in Berlin auf.

Aus Schulhoffs Werken und Texten um 1920 spricht eine innovative, experimentelle und unorthodoxe Sicht. Nach Ende des Ersten Weltkrieges und der Abdankung der Monarchie wollte er mit seinen musikalischen und sprachlichen Aktivitäten die Umwelt aufrütteln und provozieren. In der traditionsreichen (ehemaligen) sächsischen Residenzstadt sorgte er für Unverständnis und Fassungslosigkeit. Andererseits fand er einen illustren Kreis von ‚Revoluzzern‘ im Kunstbereich und versuchte um 1919/20 eine Art freie Szene aufzubauen.

Vorträge
11:00 – 17:30, Kleiner Saal

11:00
Prof. Dr. Matthias Herrmann (Dresden)
„… bin nicht Bürger, nicht Jude, nicht Christ, – ich will Mensch sein“! Biographische Einführung und zur Kontroverse Schulhoffs mit Schönberg zwischen Dresden und Mödling 1919/20

Dr. Marketa Kabelková (Prag)
Der Schulhoff-Nachlass im Nationalmuseum – Tschechisches Museum für Musik in Prag

PD Dr. Tobias Widmaier (Freiburg i.Br.)
Einflüsse des Dadaismus auf Erwin Schulhoff

13:00

Johannes Schmidt (Dresden)
Die Dresdner Secession „Gruppe 1919“ als interdisziplinäre Künstlervereinigung

Prof. Dr. Michael Heinemann (Dresden)
Schulhoffs Sonata erotica – Prolegomena zu einer Musiktheorie des Körpers

Prof. Dr. Jörn-Peter Hiekel (Dresden)
„Zum Einschlafen gibt’s genug Musiken“. Schulhoffs avantgardistische Strategien im Kontext der Zeit

15:00

Dr. Miriam Weiss (Heidelberg)
„Tango perversiano“ und „Kunst-Jazz“ – Facetten der Jazzrezeption im Werk Erwin Schulhoffs

Dr. Tobias Schick (Dresden)
„Con malinconia grotesca“ – Erwin Schulhoffs erstes Streichquartett zwischen Tradition und Moderne

Prof. Dr. Manuel Gervink (Dresden)
Konzept einer Moderne? Erwin Schulhoffs Nähe zum Expressionismus

Eine Veranstaltung des Instituts für Musikwissenschaft
Konzeption und Leitung: Prof. Dr. Matthias Herrmann

Musikalisch-literarischer Abend
18:00, Konzertsaal

Mit Musik und Texten von Erwin Schulhoff (um 1920)
Für Sprecher, Gesang und Klavier

Ausführende
Lars Jung (Dresden), Sprecher
Andreas Herrmann (Leipzig), Sprecher
Viktoria Wilson (Sopran)
Prof. Christine Hesse (Klavier)
Studierende der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden

Die u.a. zur Aufführung kommenden „Fünf Pittoresken“ für Klavier (Dresden, 18.8.1919) tragen folgende Widmung: „Dem Maler und Dadaisten George Groß in Herzlichkeit zu eigen!“
Schulhoff stellte seinem Werk den Text von George Grosz voran:

„Welten! Fluten!
Ihr taumelnden, torkelnden Häuser!!!
Cake – walkt am Horizont!!
Ihr Negermelodien
Lieblich wie Ellins Blauaugen – –
Welten, Ströme, Erdteile!
Australien, du Sonnenland!
Afrika mit deinen dunklen Ur – Ur – Urwäldern,
Amerika mit deiner D-Zug-Kultur,
Welten – ich rufe, schreie!!!
Wacht auf, ihr ehrfurchtbuckelnden Blaßgesichter!!!
Ihr Hundesöhne, Materialisten,
Brotfresser, Fleischfresser, – Vegetarier !!
Oberlehrer, Metzgergesellen, Mädchenhändler!
---- ihr Lumpen!!!
Denkt: meine Seele ist zweitausend Jahre alt!
!!! Triumph !!!
Gott, Vater, Sohn ---- Aktiengesellschaft.
 

Ausstellungshinweis 2019

„Signal zum Aufbruch! 100 Jahre Gründung der Dresdner Sezession – Gruppe 1919“.
Eröffnung: 14.6.2019, Laufzeit 15.6.–15.9.2019
Städtische Galerie Dresden | Wilsdruffer Straße 2 | 01067 Dresden