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Institut für Musikwissenschaft

Lehre und Forschung des Instituts erstrecken sich über den gesamten Bereich der Historischen Musikwissenschaft, von Alter Musik bis zur Gegenwart. Das Fach Musikwissenschaft ist Bestandteil der künstlerischen, musikpädagogischen und der Lehramtsstudiengänge in Bachelor und Master. Es kann außerdem als Aufbaustudiengang mit dem abschliessender Promotion studiert werden. Eine Habilitation im Fach Musikwissenschaft ist ebenfalls möglich. Arbeitsergebnisse des Instituts werden vielerorts publiziert, zunächst in Hochschul-Buchreihen der Verlage Laaber (Laaber) und Sandstein (Dresden), heute u.a. bei den Verlagen Christoph Dohr (Köln), Kamprad (Altenburg) und Tectum (Marburg/Baden-Baden). Publikationen/Bücher

Das Institut für Musikwissenschaft unterhält zahlreiche Kooperationen mit Forschungs-, Lehr- und Kulturinstitutionen in Dresden, Sachsen, deutschlandweit und im Ausland, darunter: Semperoper Dresden, Philharmonie Dresden, Staatsoperette Dresden, Richard-Strauss-Institut Garmisch-Partenkirchen, Robert-Schumann-Haus Zwickau, Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Sächsische Akademie der Künste Katholische Akademie Dresden, Deutsches Historisches Institut Rom u.v.a.


Komponistenworkshops, Seminare und Vorträge zur Musik der Gegenwart

Das Institut für Musikwissenschaft legt besonderen Wert auf die Beschäftigung mit der zeitgenössischen Musik.
Zum Lehrprogramm gehört eine zweisemestrige Vorlesung "Neue Musik", zu den bevorzugt vergebenen Themen für Diplomarbeiten gehören solche aus der Musik des 20./21. Jahrhunderts. Darüber hinaus gibt es jedes Semester einige Veranstaltungen an der Schnittstelle von Theorie und Praxis. Das Institut arbeitet dabei eng mit den anderen Fachbereichen zusammen, insbesondere mit dem Institut für Neue Musik. 

Zu Gastvorträgen und Workshops kamen in den letzten Jahren u. a. Dieter Schnebel, Josef Anton Riedl, Vinko Globokar, Helmut Lachenmann, Nicolaus A. Huber, Luca Lombardi, Hans Werner Henze, Steffen Schleiermacher, Aribert Reimann, Georg Katzer, Adriana Hölszky, Peter Ruzicka, Georg Friedrich Haas und Vladimir Tarnopolski an die Dresdner Hochschule. In Kooperation mit dem Institut für Neue Musik gibt es außerdem jedes Jahr fünf auf das gesamte Studienjahr verteilte Workshops zu außereuropäischer Musik - mit Komponisten und Interpreten aus Asien, Afrika, Amerika oder Europa.

 

Europäisches Erbe der musikalischen Vergangenheit studieren

In einer Stadt wie Dresden, die auf eine Jahrhunderte alte Tradition zurückblickt und deshalb über einen musikalischen Reichtum sondersgleichen verfügt, war es naheliegend, an der Musikhochschule einen Studiengang "Alte Musik" einzurichten - denn das kulturelle Umfeld forderte direkt dazu heraus. So wurde zum WS 1998/99 mit der ersten in Deutschland geschaffenen Professur für Alte Musik eine Arbeit begonnen, die - neben der Vermittlung der heute allgemein üblichen Grundbegriffe zur Aufführungspraxis älterer Musik - das in Dresden liegende europäische Erbe der musikalischen Vergangenheit in die Zukunft tragen möchte.

Schwerpunkt der Arbeit ist die musikalische Aufführungspraxis des 17.-19. Jahrhunderts im Licht der vergangenen Realität. Als ein möglicher heutiger Interpretationsansatz steht der Komponist und sein Umfeld im Vordergrund: Fragen zum Notenmaterial, Besetzungsgröße, Aufführungsorte, Instrumentarium, Stimmung und Stimmtonhöhe, Berichte zu Proben und Rezensionen, instruktive Ausgaben des 19. Jahrhunderts bis zu frühen Tonabbildungen sind Gegenstand der Lehre und Forschung. Bedingt durch den Standort und der guten Quellenlage steht die sächsische Residenz als Beispielort häufig im Fokus, Komponisten wie Schütz, Naumann, Weber, Wagner und, Strauss haben deutliche Spuren hinterlassen. Dazu arbeitet in der Nachfolge von Prof. Ludger Rémy (†) die Abteilung unter der Leitung von Prof. Bernhard Hentrich eng mit dem Institut für Musikwissenschaft, insbesondere mit dem Heinrich-Schütz-Archiv zusammen.

Forschungsinstitut für mitteldeutsche Musikgeschichte des 16. und 17. Jahrhunderts

Die zentrale Aufgabe des von Dr. Wolfram Steude († 2006) 1988  gegründeten  Heinrich Schütz Archivs ist nach wie vor die Schütz-Forschung. Inzwischen sind weitere Forschungsfelder, wie zur Musik in Dresden bis zum Ausgang der Barockzeit, hinzugekommen. Erfassung, wissenschaftliche Aufbereitung und Publizierung von Noten-, Text- und Bildquellen zur mitteldeutschen Musikgeschichte von ca. 1600 bis gegen 1750 zählen zu den zentralen Arbeitsfeldern des Heinrich-Schütz-Archivs. Als besondere wissenschaftliche Herausforderung erwies sich die Edition der "Schütz-Dokumente". Diese enthalten den kommentierten Abdruck aller von Heinrich Schütz überlieferten Schriftstücke in Briefform (Briefe, Memoriale, Gesuche, Gutachten, Eingaben etc.), ferner die den Originalausgaben seiner musikalischen Werke beigegebenen Widmungen, Vorreden und Nachworte, seine Gedichte, Stammbucheintragungen und eigene vertonte Texte sowie Legatsakten, Urkunden und Quittungen mit Eintragungen von Schütz' Hand. Die Schütz-Dokumente sind 2010 im Verlag Dohr erschienen. 

Die Bezeichnung "Archiv" leitet die Forschungsstelle von ihrer Mikrofilmsammlung von Text- und Notenquellen her. Originalquellen besitzt sie nicht. Die Filmsammlung aber wird zunehmend sowohl von Fachmusikern als auch von Musikwissenschaftlern für ihre Arbeit genutzt, nicht minder von Studenten des Hauses, insbesondere von Absolventen, deren Abschlussarbeit über ein Thema der "Alten Musik" handelt. 

Die enge Verbindung zwischen Musikwissenschaft und Musikpraxis artikuliert sich in der guten und fruchtbaren Zusammenarbeit der Mitarbeiter des Heinrich-Schütz-Archivs sowohl mit Einrichtungen (wie der Ständigen Konferenz Mitteldeutsche Barockmusik in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen e.V. und der Internationalen Heinrich-Schütz Gesellschaft) als auch mit vielen Musikern und Ensembles der "Alte Musik"-Szene in Mitteldeutschland und nicht zuletzt im engen Zusammenwirken mit den Dozenten und Studenten des Ausbildungsangebotes "Alte Musik" an der Dresdner Hochschule für Musik.

Das Archiv wird kustodisch von der Mitarbeiterin Konstanze Kremtz betreut.


Zwischen 1981 und 1993 war die damalige Musikwissenschaftliche Abteilung an zahlreichen internationalen Veranstaltungen im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele federführend beteiligt: Vier Konferenzen zur deutschen Romantik, sieben Konferenzen zur Dresdner Operngeschichte sowie Konferenzen zur Deutschen Oper in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, zur Musikpflege der Dresdner Frauenkirche, zu Giacomo Meyerbeer, Felix Draeseke und Jan Dismas Zelenka. Darüber hinaus fanden in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen Symposien zu Heinrich Schütz, Carl Maria von Weber, Rudolf Mauersberger und zur Geschichte des Dresdner Kreuzchores statt. In der hauseigenen Schriftenreihe wurden die Konferenzberichte veröffentlicht; Ausnahmen bilden die Tagungsberichte zu Schütz bzw. zu Mauersberger und zum Kreuzchor, die beim Peters-Verlag Leipzig bzw. innerhalb der "Dresdner Hefte" erschienen sind.

Mit der Technischen Universität Dresden wurden darüber hinaus Konferenzen zur Romantik und zur Kunstreflexion über den 13. Februar 1945 veranstaltetet, desgleichen zur Frühromantik mit dem Dresdner Geschichtsverein e.V. und dem Kulturamt der Landeshauptstadt Dresden. Den alten Beziehungen zu Osteuropa Rechnung tragend, fand 1996 ein Kolloquium mit Musikologen des Konservatoriums St. Petersburg und des Instituts für Musikwissenschaft zu musikalischen Berührungspunkten zwischen Sachsen und Russland statt.

Einen Forschungsschwerpunkt hat das Institut in der Vielfalt der höfischen wie bürgerlichen Musik und -pflege der wettinischen Residenz- und Kunststadt Dresden gefunden. Zur Erkundung der vielfältigen Verbindungen Dresdens zur Musik der Gegenwart fanden gemeinsam mit dem Dresdner Zentrum für zeitgenössische Musik in den Jahren 1996, 1998 und 2000 vielbeachtete Tagungen unter dem Thema "Dresden und die avancierte Musik im 20. Jahrhundert" statt.

Im Oktober 2003 richtete die Hochschule eine große internationale Fachkonferenz zum Spätwerk von Dmitri Schostakowitsch aus. Im Mai 2004 folgte – in Kooperation mit den Dresdner Musikfestspielen – ein Kolloquium zum Thema "Märchenoper" sowie ein Symposium über Wilfried Krätzschmar. Im Oktober 2004 wurde in Kooperation mit dem Europäischen Zentrum der Künste Hellerau das Kolloquium "Kulturelle Identität(en)" veranstaltet, im November 2004 ein zweitägiges internationales Kolloquium über Bernd Alois Zimmermann. Im Juni 2005 befassten sich Tagungen mit „Musikalischen Wechselbeziehungen zwischen Sachsen und Böhmen in Vergangenheit und Gegenwart“ sowie der Musik von Adriana Hölszky, im November 2005 zum Thema „Hindemith und die Neue Musik der DDR“. Im Mai 2006 folgten ein Symposion zum Thema „Musik im mittelalterlichen Dresden“ im Rahmen des Stadtjubiläums „800 Jahre Dresden“ und der Dresdner Musikfestspiele, im Oktober 2006 über „Freiräume und Spannungsfelder. Zur Situation der zeitgenössischen Musik“ (in Kooperation mit dem Europäischen Zentrum der Künste Hellerau) sowie eine internationale Fachkonferenz zum Werk des Namensgebers der Hochschule, Carl Maria von Weber.

Im Jahr 2007 gab es Konferenzen zum Thema "Klanglandschaften. Musik und gestaltete Natur" (im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele) sowie zum Thema "Hören und Denken. Musik und Philosophie" (erneut in Kooperation mit dem Europäischen Zentrum der Künste Hellerau). 2008 wurden – häufig in unterschiedlichen Kooperationen – u.a. Konferenzen zu den Themen "Neue Musik und Film" sowie "1968 – aus musikalischer Perspektive", 2009 zu Bohuslav Martinů sowie "Perspektiven der Musik nach 1989" und 2010 anlässlich des 50. Todestages von Günter Raphael in Zusammenarbeit mit der Christine Raphael-Stiftung durchgeführt. 2011 fand zusammen mit der Internationalen Carl Maria von Weber-Gesellschaft das Internationale Symposion zum Thema "Carl Maria von Weber und das Virtuosentum seiner Zeit" statt. Das Institut für Musikwissenschaft war federführend an der Tagung „Johann Walter in Torgau und die evangelische Kirchenmusik“ auf Schloss Hartenfels (Torgau) beteiligt und spannte damit den Bogen zur Frühgeschichte der Sächsischen Staatskapelle Dresden.

Einen Höhepunkt stellt die Ausrichtung der Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung im September 2013 dar. In mehreren Sektionen referierten Vertreter der deutschen Musikwissenschaft nicht nur in der Hochschule für Musik Dresden, sondern auch in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden sowie im Rohbau der ehemaligen evangelischen Schlosskapelle mit dem gerade fertig gestellten Schlingrippengewölbe (Residenzschloss Dresden). Bereits 2008 hatte an diesem musikgeschichtlich so bedeutsamen Ort eine Tagung in Verbindung mit dem Verein „Heinrich Schütz in Dresden“ e.V. und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zur Musik in der Schlosskapelle der Schütz-Zeit stattgefunden.

Anlässlich des 91. Bachfestes der Neuen Bachgesellschaft (dem zweiten in Dresden seit 1968) richtete das Institut im September 2016 im Kleinen Saal eine Bach-Tagung aus, zudem im November d.J. ein Symposion anlässlich des 100. Todestages von Max Reger.

Weitere Konferenzen, die in vielfältigen Kooperationen ausgerichtet wurden:

  • 2002: Ars magna musices. Athanasius Kircher 1602-2002. Rom, Deutsches Historisches Institut (in Zusammenarbeit mit Dr. Markus Engelhardt)
  • 2003: Wolfgang-Stockmeier-Tage. Konzerte, Gottesdienste, Podiumsdiskussionen; in Zusammenarbeit mit Hochschule für Kirchenmusik Dresden (Prof. Dr. Christfried Brödel)
  • 2004: Geld oder Leben. Richard Wagners „Ring“ (in Zusammenarbeit mit Semperoper Dresden, Prof. Dr. Ilsedore Reinsberg)
  • 2004: Öffentliche Einsamkeit. Das Lied um 1900, Wien (in Zusammenarbeit mit Dr. Carmen Ottner und Prof. Dr. Hans-Joachim Hinrichsen)
  • 2005 Max Reger. Orgelmusik im Kontext; öffentliches Seminar in Zusammenarbeit mit Sächsische Orgelakademie e.V. (Dr. Johannes Roßner)
  • 2005 Am Rande des Abgrunds. 100 Jahre „Salome“ (in Zusammenarbeit mit Semperoper Dresden, Prof. Dr. Ilsedore Reinsberg)
  • 2006: Musik im augustäischen Zeitalter (deutsch-polnische Arbeitstagung, in Zusammenarbeit mit TU Dresden, Prof. Dr. Hans-Günter Ottenberg, und SLUB Dresden, Dr. Karl-Wilhelm Geck)
  • 2007: Das Faust-Recht auf Freiheit (in Zusammenarbeit mit Semperoper Dresden, Prof. Dr. Ilsedore Reinsberg, und Katholische Akademie Dresden, P. Clemens Maass SJ)
  • 2008: Robert Schumann in Dresden (in Zusammenarbeit mit Musikwissenschaft TU Dresden, Prof. Dr. Hans-Günter Ottenberg)
  • 2009: Oper mit Wissen- und Leidenschaft. Symposium anlässlich der Ehrenpromotion von Prof. Dr. h.c. Joachim Herz
  • 2009: Diva – die göttliche Stimme (Projekttag Dresden, Juni 2009; in Zusammenarbeit mit P. Clemens Maass/Katholische Akademie Dresden, Ilsedore Reinsberg/Semperoper Dresden)
  • 2009: Kulturgeschichte der Operette (mit André Meyer und Uwe Schneider, Staatsoperette Dresden)
  • 2010: Weill-Interpretation (mit Dr. Joachim Lucchesi), Dresden
  • 2011: „Operetten-Edition“ (mit Heiko Cullmann, Staatsoperette Dresden).
  • 2013: Richard Wagner (in Zusammenarbeit mit TU Dresden, Prof. Dr. Hans-Günter Ottenberg, und Sächsische Akademie der Künste, Prof. Dr. Peter Gülke)
  • 2013: „...was verloren ging“. Jüdische Traditionen in der Operette (mit Heiko Cullmann, Staatsoperette Dresden)
  • 2013: „… wie es uns gefällt.“ Kurt Weill: The Firebrand of Florence (mit Heiko Cullmann, Staatsoperette Dresden)
  • 2015: „Alles Schwindel“. Cagliostro in Wien; Symposium anlässlich der Johann-Strauss-Festtage der Staatsoperette Dresden (mit Heiko Cullmann)
  • 2016: Kunst und Alltag – Der Briefwechsel von Clara und Robert Schumann (mit Thomas Synofzik, Schumann-Haus Zwickau)

Der musikgeschichtliche Unterricht wurde in den Jahren nach der Hochschulgründung 1952 vom ersten Rektor Dr. Karl Laux und zahlreichen weitere Persönlichkeiten geprägt., u.a. von Dr. Herbert Meißner, Karl Hempel, Hans Böhm und Gottfried Schmiedel. In den 1970/80er Jahren gestalteten u.a. Dr. Frank-Harald Greß, Dr. Friedbert Streller, Dr. Gerd Schönfelder, Eberhard Kremtz, Dr. Hans John und die Lehrbeauftragten Dr. Dieter Härtwig und Eberhard Steindorf das Fach.

Seit 1977 besteht eine hochschuleigene Abteilung Musikwissenschaft, aus der im Jahre 1993 unter Einbeziehung des von Dr. Wolfram Steude gegründeten Heinrich-Schütz-Archivs das Institut für Musikwissenschaft hervorgegangen ist. Ihm gehörte als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Heinrich-Schütz-Archivs auch Dr. Manfred Fechner an. Dem langjährigen Institutsleiter Prof. Dr. Hans John folgte 2002 Prof. Dr. Manuel Gervink.  Heute zählen zudem zum Institut für Musikwissenschaft die Professoren Dr. Michael Heinemann, Dr. Matthias Herrmann und Dr. Jörn-Peter Hiekel. Im Heinrich-Schütz-Archiv ist Konstanze Kremtz tätig.


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