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Differenzielles Üben

Unterschieden, welche dabei bewusst erzeugt werden können. Dieses Lernmodell orientiert sich unter anderem an der Lernstrategie von Kleinkindern, die durch ungerichtete und immer wieder unterschiedliche Versuche irgendwann Bewegungen erlernen. Obwohl alle Kinder auf vollkommen unterschiedliche Weise z.B. das Gehen erlernen, kommen sie letztendlich zu nahezu dem gleichen Ergebnis. Geprägt wurde das bahnbrechende Lernmodell 1999 von dem Trainingswissenschaftler Wolfgang Schöllhorn, aus dessen Arbeit sich über die Jahre drei Kernaussagen herauskristallisieren:

  • Lernen ereignet sich an Unterschieden
  • Sinnvolles Verstärken des in allen Phasen des Lernprozesses ohnehin auftretenden Rauschens wirkt leistungssteigernd
  • Im Abtasten des Randbereiches (um die Zielbewegung) erschließt sich der jeweilige Lösungsraum

Bezogen auf das Üben im musikalischen Kontext können wir das Differenzielle Üben dem Traditionellen Üben gegenüberstellen, ohne ein Lernmodell dem anderen als überlegen anzusehen. Beim Traditionellen Üben wird sich der “perfekten” Bewegung - z.B. der Interpretation eines Stückes anhand der eigenen Vorstellung oder einer Video- oder Audioaufnahme - Stück für Stück angenähert. Das gerade Gespielte wird innerlich mit der Wunschvorstellung abgeglichen und beim nächsten Mal ein kleines Bisschen mehr wie die Zielbewegung ausgeführt. Beim nächsten Versuch wird dieser Vorgang wiederholt bis die angestrebte Bewegung identisch mit der vorgestellten oder gesehenen ist.

Beim Differenziellen Üben hingegen wird sich der Zielbewegung von verschiedenen Seiten her genähert. Ein typisches Beispiel ist das Punktieren eines schnellen gleichförmigen Laufes (z.B. einer Kette von Sechzehntelnoten) in beide Richtungen. Differenzielles Üben in der Musik gehört also zumindest in kleinen Teilen zum Standardrepertoire einer jeden übenden Musiker*in. Mit Hilfe dieser Videos wird ein systematisches Licht auf das Thema geworfen und konkrete Anleitung und Beispiele zur Anwendung gegeben. Im Idealfall ergeben sich aus dem Differenziellen Umgang mit musikalischem Material kreative Interpretationen und vielleicht sogar die ein oder andere Komposition. In Kombination mit Traditionellem Üben stellt sich ein stabiles und gleichzeitig flexibles Musizieren ein, das langfristig gesund und lustvoll ist.