Erasmus-Aufenthalt in Italien
Helena Ernst studiert im Bachelor Klavier an der HfM Dresden. Das akademische Jahr 2025/26 verbrachte sie im Rahmen des Erasmus-Austauschprogramms an der conservatorio di musica Benedetto Marcello di Venezia in Venedig (Italien). Hier berichtet sie u.a. von ihren Eindrücken und persönlichen Erfahrungen an der Musikhochschule.
“Ich war für zwei Semester am conservatorio di musica Benedetto Marcello di Venezia. Schon durch mein FSJ, das ich nach der Schule im Ausland absolviert habe, wusste ich, wie bereichernd es sein kann, in einem anderen Land und einer anderen Kultur zu leben. Daher wollte ich die Möglichkeit, im Ausland zu studieren, unbedingt nutzen und bin unendlich dankbar dafür. Ich wollte primär nach Venedig gehen, weil ich gerne bei dem Prof. studieren wollte. Dass das damit einher ging, in dieser magischen Stadt zu wohnen, war natürlich ein großes Geschenk.
Das Konservatorium In Venedig ist ein alter Palazzo namens „Palazzo Pisani", der einst der reichsten Familie der Stadt gehörte. Also nicht verwunderlich, dass es einen unglaublich schönen Konzertsaal (der frühere Ballsaal), wunderschöne Verzierungen in den Räumen und die höchste Dachterrasse der Stadt gibt. Man lebt und lernt sozusagen in venezianischer Geschichte. Die meisten Musikstudierenden kommen aus der Umgebung oder direkt aus Venedig, was mir das Kennenlernen von echten Locals sehr leicht gemacht hat. Sie sind sehr herzlich und lieben ihren venezianischen Spritz namens Select. Oft verabredet man sich auf einen Spritz vor dem Abendessen, nachdem das Konservatorium zu macht. Ganz nach klischeehafter italienischer Bequemlichkeit sind die Öffnungszeiten nämlich 9 bis 19 Uhr.
Mein Professor pflegt eine sehr offene Klasse und legt Wert darauf, seinen Unterricht als Wohlfühlort zu gestalten. Oft kommen ehemalige oder aktuelle Studierende rein, um kurz hallo zu sagen, bei anderem Unterricht zuzuhören oder um ein paar Snacks zu spendieren. Ich habe immer gemerkt, dass er seinen Job nicht nur aus Verpflichtung macht, sondern weil er ihm am Herzen liegt. Genauso habe ich auch fast alle Mitarbeitenden im Konservatorium wahrgenommen, die auf jedem Stockwerk die Schlüssel für die Räume verteilt haben und/oder unten an der Pforte waren. Sie hatten ein ernsthaftes Interesse daran, die Studierenden auf ihrem Weg zu begleiten, was ich wirklich sehr besonders fand. Im Nachhinein weiß ich, ich hätte eher anfangen sollen, Italienisch zu lernen. Vor allem die älteren Mitarbeitenden und Lehrenden können kein Englisch, was mir die Anfangszeit sehr erschwert hat.
Eine der faszinierendsten Sachen an Venedig ist das Wasser. Man lebt hier auf eine Art und Weise mit dem Element zusammen, die es sonst kein zweites Mal gibt. Alles funktioniert auf Booten: Postboot, Krankenboot, Müllabfuhrboot, Feuerwehrboot, Polizeiboot, etc. Und die öffentlichen Verkehrsmittel sind natürlich auch Boote. Mit dem Vaporetto zu fahren verdeutlicht einem, dass Venedig tatsächlich auf dem Wasser gebaut ist, was ein einzigartiges Gefühl ist. Und es macht einfach Spaß!
Mein Alltag bestand nicht nur aus Studieren, sondern ich habe Seiten der Stadt kennengelernt, die einem als Touristin verwehrt bleiben. Zum Beispiel war ich immer im Schwimmbad mit Blick auf die Lagune schwimmen und habe Musiker:innen aus dem Orchester des Opernhauses „La Fenice" kennengelernt. Dazu gehörten aber auch kalte dunkle neblige Wintertage und jeden Tag von den Lockrufen der Gondolieri für die Touristen geweckt zu werden. Ein besonderes Highlight waren Ruderstunden, in denen ich die „voga veneta“, die traditionelle venezianische Rudertechnik, auf dem Wasser der wunderschönen Lagune lernen durfte. Ich bin sehr dankbar, dass ich in dieser geheimnisvollen Stadt leben konnte und vermisse sie jetzt schon.”
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