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Insights - Zwischen den Zeilen

Prof. Dr. Martin Rohrmeier (Lausanne): »Prinzipien musikalischer Strukturbildung: Reflexionen zu einer formalen Musiktheorie«

Prof. Dr. Martin Rohrmeier/Foto: privat

Insights - Zwischen den Zeilen

Prof. Dr. Martin Rohrmeier (Lausanne): »Prinzipien musikalischer Strukturbildung: Reflexionen zu einer formalen Musiktheorie«

14.07.26 Tuesday 15:00
Hochschule für Musik Dresden, Raum W 4.07 , Wettiner Platz 13 , 01067 Dresden

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Entrance

Prof. Dr. Martin Rohrmeier (Lausanne):
Prinzipien musikalischer Strukturbildung: Reflexionen zu einer formalen Musiktheorie

Aufbauend auf dem reichen historischen und analytischen Vokabular der traditionellen Musiktheorie stellt dieser Vortrag die Frage, wie sich unser etabliertes musikalisches Wissen mit formalen, systematisch überprüfbaren Modellen verbinden lässt. Hierzu präsentiert der renommierte Musikwissenschaftler Martin Rohrmeier einen Überblick und eine Synthese seiner jüngsten Arbeiten zu einer formalen, generativen Musiktheorie. Das zentrale Anliegen dieses Ansatzes ist ein doppelter Anspruch: Die Theorie soll einerseits mathematisch rigoros und computational verifizierbar sein, andererseits jedoch kognitiv plausibel und musikalisch intuitiv bleiben.

Methodisch verortet sich dieser Ansatz in der Tradition der generativen Modellierung, inspiriert sowohl von formalen Grammatiken (im Sinne der Forschung von Chomsky, Steedman und Jackendoff) als auch von bayesianischen Kognitionsmodellen (im Sinne von Tenenbaum und Griffiths). Im Sinne des Humboldtschen Prinzips vom »unendlichen Gebrauch von endlichen Mitteln« basiert der Ansatz in seinem Kern auf der Idee, dass durch die rekursive Kombination weniger Grundregeln aus einfachen Bausteinen eine prinzipiell unendliche Vielfalt musikalischer Strukturen generiert werden kann. Der Vortrag skizziert die zentralen Stationen dieser Forschung anhand der Modellierung tonaler Harmonik, zeitlicher Gliederung und Rhythmus, musikalischer Makrostruktur und Form sowie freier kontrapunktischer Stimmengeflechte. Der Vortrag möchte aufzeigen, wie formale Ansätze traditionelle Fragestellungen der Musikwissenschaft und Musiktheorie durch neue methodische Perspektiven und eine präzise Begrifflichkeit substanziell bereichern können.

Martin Rohrmeier studierte Philosophie, Mathematik und Musikwissenschaft in Bonn. 2005 Master Musikwissenschaft an der Universität Cambridge (GB). Im Rahmen seiner MPhil-Arbeit wandte er computergestützte Korpusanalyseverfahren zur Modellierung der Harmonik in Bachs Chorälen an. 2011 promovierte er in Musikwissenschaft an der Universität Cambridge mit einer Arbeit über den musikalischen Kompetenzerwerb, in der er das implizite Lernen musikalischer Strukturen untersuchte.

 

»Insights : Zwischen den Zeilen« Interdisziplinäre Vortragsreihe des Zentrums für Musiktheorie 

Die Vortragsreihe gibt Einblicke in das facettenreiche Gebiet der Musiktheorie. Die hier eingeladenen Gäste untersuchen in Kernbereichen der Musiktheorie und angrenzenden Disziplinen Musik und ihre Regeln, Wirkungen, Besonderheiten und Geheimnisse, die sich nicht selten auch „zwischen den Zeilen“ verbergen. In Vorträgen, Forschungsberichten und Präsentationen erfahren wir, was Musikforschende entdeckt haben und wie Erkenntnisse zur Umsetzung anregen können.

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