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Erasmus-Aufenthalt in Polen

Leo Zschorlich studiert Gymnasiallehramt Musik mit dem Hauptfach Klarinette an der HfM Dresden. Das akademische Jahr 2025/26 verbrachte er im Rahmen des Erasmus-Austauschprogramms an der Akademia Muzyczna im. Krzysztofa Pendereckiego (AMKP) in Krakau (Polen). Hier berichtet er u.a. von seinen Eindrücken und persönlichen Erfahrungen an der Musikhochschule.

„Das Ziel meines Aufenthalts in Krakau war das Erlernen der polnischen Sprache auf fortgeschrittenem Niveau sowie das Erleben der kulturellen Vielfalt, um mit meiner Freundin Polnisch sprechen zu können und ihre slawischen Wurzeln besser zu verstehen.

Polnisch gehört zum westslawischen Zweig der indoeuropäischen Sprachfamilie und ist für Menschen mit Deutsch als Erstsprache vergleichsweise schwer zugänglich. Deswegen habe ich schon vor Beginn zwei Sprachkurse sowie ein Sprachtandem besucht, um in Krakau an Lehrveranstaltungen auf Polnisch teilnehmen zu können. Diese Vorbereitung kann ich allen empfehlen, die ebenfalls ein Erasmus-Semester in Polen planen, da es andernfalls schwer ist, der englischsprachigen Erasmus-Blase vor Ort zu entkommen. Sobald man den Studierendenausweis der polnischen Hochschule erhalten hat, kann man sich damit an der Krakauer Jagiellonen-Universität für einen Sprachkurs anmelden. Dieser muss zwar selbst bezahlt werden, war in meinem Fall jedoch absolut lohnenswert. Die Termine werden flexibel in der Gruppe abgestimmt, sodass sich der Kurs problemlos in den eigenen Stundenplan integrieren lässt und man nach erfolgreich bestandener Prüfung ein offizielles Sprachzertifikat der Universität erhält.

Auch in musikalischer Hinsicht war der Aufenthalt an der Musikakademie in Krakau ein großer Gewinn. Zu meinen Highlights gehörte der Kurs „Instrumentacja elektroakustyczna“, in dem wir mit Ableton Max for Live verschiedenste Streicherarrangements digital umgesetzt haben. Ebenso spannend war das Seminar „MELIK“, in welchem ich einen interessanten Patch zur Quadrophonie-Zuweisung kennengelernt habe. Ein absoluter Höhepunkt war zudem das Mitwirken im Chor. Mit diesem hatten wir zahlreiche Auftritte in der Krakauer Philharmonie und durften dort Werke von Haydn, Mozart und Górecki aufführen.

Die Kurse, die mir aus heutiger Sicht am meisten zugesagt haben, fand ich größtenteils durch Zufall. Als ich zu Beginn des Wintersemesters noch einige Freistunden hatte, hielt ich Ausschau nach wartenden Gruppen vor Seminarräumen und stürzte mich spontan hinein. Nach kurzer Interessenbekundung an die Lehrperson wurde ich dann meistens als Gasthörer akzeptiert und durfte so spannende Leute kennenlernen.

Als Besonderheit an der Musikakademie in Krakau sind mir vor allem die hervorragenden Unterrichtsmöglichkeiten im Fach Klavier aufgefallen. Im klassischen Bereich kann ich zwar keine konkreten Lehrkräfte empfehlen, weiß aber davon, dass beim Chopin-Wettbewerb in Warschau drei Studierende der Krakauer Musikakademie teilgenommen haben und einer davon sogar mehrere Sonderpreise gewonnen hat. Wer sich also zum Thema Chopin weiterbilden möchte oder das ambitionierte Ziel hat, selbst am Wettbewerb teilzunehmen, kann an der AMKP viel lernen und gute Kontakte knüpfen. Die jeweiligen Professorinnen und Professoren lassen sich leicht über die Website der Hochschule unter „Nasi studenci w Konkursie Chopinowskim“ ausfindig machen. 
Im Jazzbereich hatte ein Freund von mir bei Dominik Wania Unterricht und schwärmt noch jetzt in vollen Zügen von ihm.

Nicht nur akademisch, sondern auch logistisch bietet die Hochschule attraktive Bedingungen. Das Hauptgebäude befindet sich sehr zentral in der Altstadt und verfügt neben dem eigenen Konzertsaal über die ausgelagerte Aula Florianka. In beiden Räumlichkeiten haben auch Erasmusstudierende die Möglichkeit, Konzerte zu spielen, wenn sie sich engagieren. Zudem pflegt die Akademie Verbindungen zur Krakauer Oper sowie zur Philharmonie und ermöglicht den Studierenden dort regelmäßig, wertvolle Bühnenerfahrung zu sammeln. Trotz der überschaubaren Größe des Hauptgebäudes funktioniert die Zimmerbuchung über das Online-Raumsystem sehr unkompliziert. Zusätzlich gibt es Überäume an einem Außenstandort. Unbedingt erwähnen möchte ich noch die Dachterrasse auf dem Hauptgebäude, die einen prächtigen Blick auf die Altstadt bietet und sogar schon für Filmaufnahmen gebucht wurde. Da sie exklusiv nur mit Studierendenausweis zugänglich ist, kommen starke VIP-Gefühle auf, wenn man dort den Abend mit Freunden ausklingen lässt. 

Ein Funfact, der mich am Anfang stark irritiert hat, ist, dass die gesamte Kursorganisation an der Akademia Muzyczna über Facebook abgewickelt wird. Ohne Frage ein datenschutzrechtlicher Albtraum, aber durchaus praktisch, um schnell mit Lehrpersonen in Kontakt zu treten oder von Änderungen zu erfahren. Ich würde sagen, dass das Lehrumfeld einerseits von großem Respekt gegenüber den Lehrkräften der Akademia geprägt ist (Personen mit Professur werden oft als nahezu gottesgleich angesehen), wohingegen starke anarchistische Züge zu erkennen sind, wenn es um die Rahmenbedingungen des Studiums geht (Fristen und Termine sind oft nur ein Vorschlag). Die polnischen Studentinnen und Studenten finden aber auf jeden Fall immer einen Weg zum Ziel.

Insgesamt blicke ich voller Dankbarkeit zurück auf die Zeit in Krakau und werde diese lebendige Stadt mit Sicherheit im Herzen behalten. Mein Ziel habe ich definitiv erreicht, denn ich konnte sehr interessante Personen aus ganz Polen kennenlernen und durch die gemeinsame Zeit mein Sprachniveau sowie mein kulturelles und musikalisches Wissen stark ausbauen.“


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Konzert mit roter BeleuchtungFestlicher Saal mit Stuck an der DeckeVor einem PC-Bildschirm stehen StuhlreihenBlick auf die Bänke auf der Dachterrasse und KrakauTechniker arbeiten im Studio