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PROMOS-Förderung für Tagung in Parma
Studierende nahmen am Internationalen Gehörbildungskongress Sentiamoci a Parma 2026 teil
Josefine Illgner, Beeke Ingendorf und Helena Gonda studieren in der Fachrichtung Instrumental- und Gesangspädagogik (IGP), Samuel Rosenski studiert künstlerisches Fagott. Ihre Teilnahme am Gehörbildungskongress Sentiamoci a Parma 2026 vom 15. bis 18. April 2026 in Parma (Italien) wurde mit einem PROMOS-Stipendium gefördert. Hier berichten sie von ihren Eindrücken und Erfahrungen:
"»One of the nicest things about music is that it is ambiguous. «- Eine der schönsten Seiten von Musik ist, dass sie vieldeutig ist. Dieses Zitat fasst die Erfahrungen, die wir beim Internationalen Gehörbildungskongress Sentiamoci a Parma 2026 sammeln durften, gut zusammen.
Nach einer 16-stündigen, zeitweise sehr abenteuerlichen Zugfahrt, kamen wir, Josefine (Geige, IGP, 4. Semester), Beeke (Geige, IGP, 4. Semester), Helena (Cello, IGP, 4. Semester) und Samuel (Fagott, 4. Semester) am 14. April um Mitternacht in Parma an. Am nächsten Morgen sowie an den beiden darauffolgenden Tagen führte uns der Weg nach einem Espresso in den prachtvollen, an eine Kirche erinnernden Konzertsaal des Konservatoriums. Dort trafen wir auf unseren Dozenten für Gehörbildung- und Musiktheorie, Johannes Korndörfer, der die Reise maßgeblich geplant hatte. Es erwarteten uns interessante Präsentationen von 15 Gehörbildungsdozierenden aus aller Welt, u.a. über Polyrhythmik, Harmonielehre, Jazz-Improvisation, Blattlesen und Intonation.
Einige dieser Dozent*innen verwendeten eher konventionelle Lehrmethoden und haben über Jahrzehnte hinweg mit Studierendengruppen herausgefunden, wie sich diese Methoden effektiv anwenden lassen. Sie präsentierten ihre Forschung und brachten uns Übungen näher, die sie selbst für den Unterricht entwickelt hatten. Andere Dozierende verfolgten kreative Ansätze und entwickelten daraus konkrete Lernmethoden.
Um die Inhalte so praxisnah wie möglich zu vermitteln, hatte sich eine Gruppe aus italienischen Schüler*innen und Studierenden gefunden, die die Aufgabenstellungen der Dozierenden auf der Bühne ausführten. Auch das Publikum wurde zum Mitmachen eingeladen. So kam es u.a. zum Einsatz von Body Percussion und Tanz zur Förderung des Rhythmusgefühls, zu freier Improvisation mit Scat-Gesang sowie zum Erstellen eigener Diktate, die Nutzung von Differenztönen zur Verfeinerung der Intonation, sowie das Arbeiten mit inneren Bildern, um Rhythmus und Polyrhythmik intuitiver zu erfassen. In der zweistündigen Mittagspause blieb genug Zeit die Stadt zu erkunden und das Gelernte zu besprechen.
Wir empfanden die Konferenz als große Bereicherung für unsere Entwicklung – sei es in der Instrumentalpädagogik, als aktive Musiker*innen oder im Bereich der Gehörbildung. Methoden wie das Gehen von Bassstufen, Rhythmusimprovisation über eine bekannte Melodie oder die Verbindung von verschiedenen Taktarten mit charakteristischen Bildern, lassen sich hervorragend in den Instrumentalunterricht einflechten. Aber auch im Hochschulkontext könnten Studierende von der in Parma so praxisnah praktizierten Gehörbildung profitieren.
Nach anfänglicher Skepsis mussten wir spätestens dort feststellen, dass die Solmisation (eine Methode, um Töne eines Musikstücks auf bestimmte Silben zu singen) idealerweise bereits in der Kindheit gelernt werden sollte. Während dies in vielen Ländern Standard ist, stellt es in der deutschen Musikausbildung – selbst im Studium – noch immer eine Ausnahme dar. Den Studierenden und Schüler*innen aus Parma fiel das Blattlesen/Blattsingen und Improvisieren durch ihre Vertrautheit mit der Sol-Fa-Methode wesentlich leichter als uns.
Außerdem könnten wir uns, auch für unsere Hochschule, mehr Verbindung von musikalischen Lerninhalten mit dem Körper als sinnvoll vorstellen, um Dinge besser zu verinnerlichen oder erst erlebbar zu machen. Beim Gehörbildungskongress in Parma wurden z.B. Karten mit Solmisationssilben auf dem Boden ausgelegt und dann gesanglich improvisiert, während mit den Füßen auf den jeweiligen Karten hin und her “gesteppt“ wurde. Diese Methode erhielt nach der Rückkehr in Dresden bereits Einzug in unseren Gehörbildungsunterricht.
Für diejenigen, die sich für die Vielseitigkeit von Gehörbildung und deren Vermittlung interessieren, Kontakt zu musikbegeisterten Menschen suchen und sich für gutes Essen begeistern, ist Parma ein Muss. Wir möchten uns bei dem PROMOS-Programm für die Unterstützung unserer Reise bedanken und hoffen, dass auch in Zukunft möglichst vielen Studierenden ähnliche Möglichkeiten zur Weiterbildung gegeben werden.“
Johannes Korndörfer, Dozent für Gehörbildung- und Musiktheorie:
„Ich freue mich riesig über das Interesse meiner IGP-Studierenden am europaweiten fachlichen Austausch zur Weiterentwicklung der Gehörbildung. Auf der einen Seite können wir die neuen praxisorientierten Methoden hier an der Dresdner Musikhochschule im Unterricht einsetzen, vor allem aber sollen sie später im Instrumental- und Gesangsunterricht zukünftigen Musiker*innen eine bessere Ausbildung ermöglichen. Ich wünsche mir sehr, dass die Studierenden ihre Freude an dieser Art des musikalischen Lernens und Lehrens bewahren und später weitergeben.
Ich kann meinen Kolleg*innen von Herzen empfehlen, unsere Studierenden zu solchen Formaten einzuladen, um den Blick über den Tellerrand zu erheben.“
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