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Neuer Professor für Violoncello

Neuer Professor für Violoncello ist Valentin Radutiu. 1986 in München geboren erlernte er das Cellospiel von seinem Vater und studierte später in Salzburg, Wien und Berlin bei Clemens Hagen, Heinrich Schiff und David Geringas. Als Solist zahlreicher deutscher und internationaler Orchester führten ihn seine Konzertreisen durch ganz Europa und bis nach Hong Kong. Er gewann zahlreiche Wettbewerbe, veröffentlichte mehrere CDs und ist seit 2019 1. Solocellist des Deutschen Symphonie-Orchester Berlin.

Mit der Professur an der Hochschule für Musik in Dresden gehe für ihn ein großer Wunsch in Erfüllung. „Mit zwölf Jahren war ich das erste Mal in Dresden - zum internationalen Dotzauer Wettbewerb. Mein Vater und erster Cello-Lehrer begleitete mich damals und traf bei dem Wettbewerb auf seine Korrepetitorin aus dem Studium. Hier schließt sich nun für mich der Kreis, der für die Weitergabe unserer musikalischen Zunft von Generation zu Generation steht“, so Radutiu. Geprägt von den eigenen Erfahrungen mit großen Lehrerpersönlichkeiten habe er selbst schon früh den Wunsch gehegt, selber zu unterrichten. “Meine Verantwortung als Professor liegt zunächst darin, die handwerklichen, technischen Grundlagen und ihre Perfektionierung zu vermitteln. Das ist allerdings gerade mal der Anfang. Ich will die jungen Musiker darin unterstützen, in der heutigen Musikwelt ihren Platz zu finden und ihnen Mut machen, für ihre Träume einzustehen“, so Radutiu. Er sei überzeugt davon, dass wenn mit dem Können und dem Wollen, auch die Liebe und der Respekt für die Musik zusammenfinden, eine Laufbahn mit Musik ein unglaublich erfüllender Weg ist.

 

Über die Beziehung zu seinem eigenen Professor an der Hochschule Hanns Eisler in Berlin, erzählt Radutiu folgende Geschichte:

„Es war mein erstes Semester als Schüler von Prof. Dr. David Geringas an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin. In der letzten Cellostunde vor den Weihnachtsferien hatte ich eine Flasche Champagner mitgebracht und überreichte sie. Herr Geringas sagte: "Ja, der nächste Unterricht, am 28.12.!“ Ich entschuldigte mich und sagte, dass ich am nächsten Tag nach Hause zu meinen Eltern fahren würde, über den Jahreswechsel, und deswegen leider nicht kommen könne. Die Flasche fand nur mürrische Beachtung: „Mir wäre lieber, Du kommst zum Unterricht!“.
Vier Monate später nahm ich an einem internationalen Wettbewerb in Riga teil und in der Jury saß auch mein Lehrer, Herr Geringas. Nach der ersten Runde traf ich ihn zufällig, in der Fußgängerzone: „Valentin. Was ist in Dich gefahren! Dein Bach. Viel zu überpunktiert!“ Die Rede war von der Allemande aus der 5. Suite. „Weißt Du, warum Du so gespielt hast!? Weil Du am 28.12. nicht in meinem Unterricht warst!“. Ich schluckte.
Nach der zweiten Runde begegnete ich im Flur wieder meinem Lehrer: „Valentin! Deine Arpeggione Sonate! Sie war sportlich.“ Das war nicht als Kompliment gemeint und ich schluckte erneut. "Und weißt Du, warum Du so gespielt hast?“ Er bohrte mir den Zeigefinger in die Brust: "Weil Du am 28.12. nicht in meinen Unterricht gekommen bist!!“ Hieß das, ich käme nicht in die nächste Runde?, fragte ich mich. Ich hatte nie eine Cellostunde abgesagt, das war doch über die Feiertage gewesen!
Ich kam ins Finale, in dem ich zum ersten Mal das 1. Schostakowitschkonzert spielte. Danach die Preisverleihung: ich hatte den ersten Preis gewonnen. Vor dem Saal stand ich mit der Jury, neben mir Herr Geringas. „Mein Schüler!“ Er grinste und zeigte auf mich. „Er hat einen falschen Ton gespielt im Schostakowitschkonzert! Und wisst ihr warum?" sagte er zu seinen Kollegen aus der Jury. „Weil er am 28.12. nicht in meinem Unterricht war!“. In dem Moment spürte ich, wie mir das Blut in den Kopf stieg, ich wollte etwas sagen! Doch irgendwie verkniff ich es mir, in letzter Sekunde. Da drehte sich Herr Geringas plötzlich zu mir, sah mir tief in die Augen, tätschelte meine Wange und umarmte mich, wie ein großer Bär.
Diese Geschichte habe ich erst viele Jahre später verstanden.“

 

 


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Valentin Radutiu/Foto: privat