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Nachruf Ludger Remy

Ludger Rémy (1949–2017)

Die Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden trauert um ihren Kollegen, den Cembalisten, Dirigenten und Musikforscher Ludger Rémy.

Ludger Rémy wurde 1949, wie er in einem autobiographischen Text formulierte, „in Wissel/Kalkar am linken katholischen unteren Niederrhein als Sohn eines Landtierarztes geboren, entschied sich im unruhigen Jahr 1968 (nach normal und nicht unbedingt musisch verbrachter Jugend) unvorhersehbar, in Freiburg im Breisgau Schulmusik zu studieren und nicht Tiermediziner zu werden“. Er setzte diesen Entschluss sofort in die Tat um und studierte in Freiburg nicht nur Schulmusik, sondern auch Klavierpädagogik, Cembalokammermusik, Cembalo und „ein wenig Musikwissenschaft“. Zusätzlich betrieb er Cembalostudien bei Kenneth Gilbert in Paris und begann seine pädagogische Laufbahn 1978 als Lehrkraft für Cembalo an der Bremer Musikhochschule, von wo er 1982 an die Duisburger Dependance der Essener Folkwang-Hochschule wechselte und ab 1987 zusätzlich an der Musikhochschule Köln / Abt. Wuppertal unterrichtete. Im Wendejahr 1990 (und nach vorhergegangenen ersten Kontakten noch zu DDR-Zeiten) dehnte er seine Tätigkeit auf die Weimarer Musikhochschule aus und widmete sich 1994 freiberuflich als Orchestererzieher (wie er es nannte) dem Aufbau des „Telemannischen Collegiums“ in der Stiftung Kloster Michaelstein. An die Dresdner Hochschule kam Ludger Rémy zuerst 1996 als Lehrbeauftragter; schon zwei Jahre später wurde er als Nachfolger Wolfram Steudes zum Professor für Alte Musik berufen. Nach der Pensionierung führte er seinen Unterricht unvermindert im Lehrauftrag fort.

Ludger Rémy war in der Vielfalt seiner Interessen und seines Wirkens außergewöhnlich. Zwar werden Vielseitigkeit und Grenzgängertum heute mehr oder weniger jedem Künstler zugeschrieben, aber bei ihm wurden diese Eigenschaften manifest. Über 70 CDs hat er als Dirigent und Cembalist eingespielt. Zum Hammerklavierspiel fand er spät (im Alter von 34 Jahren) und autodidaktisch. Er trat bei allen wichtigen europäischen Festivals auf (Utrecht, Brügge, Paris, Saintes, Bachfest Leipzig, Göttinger Händelfestspiele, Dresdner Musikfestspiele u. a.), und von 1995 bis 2010 war er Jurymitglied beim angesehenen Internationalen Cembalo- und Hammerclavierwettbewerb anlässlich des Festivals van Vlaanderen in Brugge. Zugleich war er aber auch Forscher und Entdecker. Zu Beginn vieler seiner Vorträge betonte er, dass er kein Musikwissenschaftler sei. Der Warnung bedurfte es nicht, denn er vermochte sein Publikum in unvergleichlicher Weise an die Musik heranzuführen, vielleicht weil Musik ihm im besten Sinne ein Anliegen war (und nicht ein „Projekt“). Vieles erforschte Ludger Rémy mit einer Rastlosigkeit, die einzigartig war. Stets sprach er schnell, denn er hatte so vieles zu berichten von den Dingen, mit denen er sich beschäftigte…
Am 21. Juni ist Ludger Rémy in Bremen, wohin er gerade erst zurückgekehrt war, gestorben. Sein Andenken werden wir bewahren. Aber wir vermissen ihn schmerzlich.