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Out of control

Projekt des Studios für Elektronische Musik zu den
45. Internationalen Ferienkursen für Neue Musik
in Darmstadt 17.-31.7.2010


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Das System, welches wir unter dem Titel Out of control entwickeln, ist zwar ein Instrument zur Verteilung von Klangereignissen im Raum, aber dennoch kein geläufiges Beschallungskonzept sondern geht weit über die einfache Verteilung von Klängen im Raum hinaus. Es beinhaltet wesentliche Bestandteile eines musikalischen Instruments. Bei diesem System geht es uns vorrangig um die Erkundung des räumlichen Verhaltens von Klangereignissen in Extremsituationen. Es erlaubt die stufenlose Navigation durch einen Möglichkeitsraum unterschiedlicher räumlicher und klanglicher Darstellungsformen. Dabei entsteht ein elektronisches „Instrument“ mit sehr speziellen Eigenschaften, welches sich sowohl für reine Tonbandstücke als auch für Live-Elektronik, Installationen usw. gut eignet. Folgende essentielle Punkte unterscheiden dieses System von einer herkömmlichen Beschallungsanlage:
  • Das System ermöglicht extrem schnelle Raumbewegungen bis an die Grenzen des physikalisch Machbaren, wodurch je nach Beschaffenheit des Klangmaterials vollkommen neuartige Ortungsmuster entstehen.
  • Gekoppelt an schnelle Bewegungen im Raum entstehen Verformungen des Klangmaterials, die der Raumbewegung eine zusätzliche Qualität verleihen.
  • Durch den Einsatz von elektrostatischen Breitbandlautsprechern mit ihrer extremen Richtcharakteristik prägen sich Binnenräume und lokale Hörpositionen aus.
  • Materialeigenschaften und Interpretationsformen der Klangschichten, die durch den speziellen Charakter des Systems erst freigelegt werden, können graduell hörbar gemacht werden.
  • Die Steuerung des Systems ist sowohl in Echtzeit, als auch durch die Verwendung unterschiedlicher Formen vorgefertigter Listen und Tabellen möglich.

Der signifikante Teil des Systems definiert sich über Bewegungsmuster auf den elektrostatischen Lautsprechern. Eine Besonderheit der elektrostatischen Lautsprecher ist ihre extreme Richtwirkung. Diese Richtwirkung ist eine Funktion der Frequenz wie in der folgenden Abbildung dargestellt.

Wie aus der Abbildung zu entnehmen ist, strahlen die elektrostatischen Wandler in zwei Richtung (0° und 180°) in einem engen Abstrahlwinkel. Bei Frequenzen oberhalb von 2 kHz haben sie eine Richtwirkung von etwa 4 Grad.
Die theoretisch tiefste darstellbare Frequenz dieser Lautsprecher liegt bei etwa 300 Hz (nomineller Frequenzbereich von 300 bis 22000 Hz). Der sinnvoll musikalisch nutzbare Bereich liegt eher oberhalb von etwa 600 Hz. Der Schallbereich unterhalb dieser Frequenz wird daher durch Studio-Monitore abgedeckt. Die Übergabefrequenz zu den elektrostatischen Lautsprechern kann oberhalb 300 Hz individuell eingestellt werden. Obwohl die elektrostatischen Lautsprecher nur einen Teil der Frequenzspektren abdecken, bestimmt ihr Einsatz den wesentlichen Klangeindruck.
Aufgrund der Richtwirkung und der Phasenkohärenz des erzeugten Wellenfeldes der elektrostatischen Lautsprecher, bleibt der Schalldruck in Richtung der Hauptausbreitung sehr lange erhalten. Dadurch entstehen „Schallstrahlen“ bzw. „Schallgassen“.
Durch die Schallbündelung und den geringen Energieverlust werden Klangstrahlen mit scharf umrissenen Hörbereichen erzeugt. Gleichzeitig entstehen sehr deutlich wahrnehmbare Reflexionen an den Wänden.
Durch die Klangeigenschaften dieser Lautsprecher wird der Raum asymmetrisch beschallt. Der konkrete Höreindruck ist daher stark von der Position des Hörers im Raum abhängig.
An der Softwaresteuerung und der Konzeption der Lautsprecherpositionierung wird derzeit im elektronischen Studio der Hochschule für Musik Dresden gearbeitet.
Während einer Projektwoche haben wir folgende Aufstellung verwendet:
Download als PDF (12 KByte)

Bei Fragen wenden sie sich bitte an:
E-Mail: FranzMartin.olbrisch@hfmdd.de