Musikhochschule 3.0
Aufbruch jetzt!
von Lorenz Grau
Dietmar Gubsch: Laokoon V – Zwischen den Zeiten
Gemälde aus dem Jahr 1985, Quelle: Externer Link
Die letzten Monate brodelte es innerhalb der leitenden Gremien und Instanzen unserer Hochschule! Es ging um die zukünftige Ausrichtung der Musikhochschule Dresden.
Ausgehend vom Ministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK), wurde jede Hochschule in Sachsen mit der Formulierung eines Entwicklungsplans bis 2020 beauftragt, in dem die wichtigsten Ziele und Leitfäden artikuliert werden sollten. Von Januar bis März wurde in allen Gremien über die inhaltliche Ausgestaltung des Leitbildes diskutiert und in teils heftigen Debatten über Sinn und Zweck eines Entwicklungsplans gestritten.
Der erste Entwurf des Rektorats – formuliert als klassisch-romantisch daherkommende Sonatenhauptsatzform – stieß insbesondere bei der Formulierung der Themen (Tiefe des Wissens, Kraft des Fühlens etc.) auf heftigen Widerstand, da sie latent an wenig schönere Kapitel der deutschen Geschichte erinnerte.
Im weiteren Entstehungsprozess prallten die verschiedensten subjektiven Sichtweisen der Ausbildung der Musikhochschule Dresden aufeinander. Es entstanden etliche Nebenschauplätze, die einen interessanten Diskurs entstehen ließen. Zum einen ging es um das Selbstbild einzelner Fachrichtungen im Zuge des bevorstehenden Qualitätsmanagements (QM). Meinungen wie: „Wir sind doch alle gut und brauchen nicht im geringsten eine Evaluation der Lehre.“ wurden mit einer Überzeugung geäußert, die fast schon peinlich wirkte. Auch wurde klar, dass einige Dozenten im Haus noch immer um eine historische Gleichstellung von alter BRD und DDR kämpfen und beim kleinsten Anflug von kritischer Betrachtung der DDR-Vergangenheit der Musikhochschule Dresden auf die Barrikaden gehen.
Ein weiterer wichtiger Punkt, der sich direkt aus der Leitbilddiskussion entwickelte, ist die noch immer fehlende Akzeptanz gegenüber musikpädagogischen Studiengängen seitens vieler Dozenten und Studenten. In einigen Köpfen besteht scheinbar weiterhin die Trennung von guten (künstlerischer Schwerpunkt) und schlechten Studenten (Musikpädagogen, Lehrämter). Einziges Kriterium für diese absurde Kluft ist der „künstlerische“ Umgang mit dem Instrument. Das aber nicht alle Studenten unserer Musikhochschule eine Solokarriere oder eine Orchesterstelle in der Staatskapelle Dresden anstreben, wird hierbei allzu oft vergessen. Die Zeiten, in denen Musikhochschulen als reine Orchesterschulen konzipiert wurden, sind vorbei! Auch das Vermitteln von musikalischen Inhalten, das Ausloten neuer musikalischer Strömungen und die wissenschaftlich-theoretische Reflexion von Musik sind „Instrumente“ mit denen künstlerisch umgegangen werden muss!
In Anbetracht eines Musikarbeitsmarkts, der immer mehr Interdisziplinarität fordert, pädagogische Sphären streift und Spezialisten sucht, ist das Bild des romantischen Musikers, der das traditionelle Repertoire der klassisch-romantischen Konzertmusik und vielleicht noch die ein oder andere Oper kennt, nur bedingt zukunftsfähig. Ein Umdenken ist notwendiger denn je!
„150 Jahre Tradition und zwei Weltspitzenorchester im Hintergrund müssen ständig neu befragt werden, damit aus Tradition nicht Stagnation (...) wird.“ So steht es im aktuellen Leitbild der Musikhochschule Dresden. Das Hinterfragen der Tradition muss zentraler Bestandteil des Lehren und Lernens werden. Hierzu leistet das gerade entstehende Qualitätsmanagement einen Beitrag, der eine offenere und tolerante Dialogkultur zwischen Dozenten und Studenten entstehen lassen kann, nämlich dann, wenn QM nicht als bloßes Kontrollinstrument von oben verstanden wird, sondern vielmehr als selbstkritische Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen, Möglichkeiten und Zielen einer Musikhochschule und deren Angehörigen.
Das aktuelle Leitbild der Hochschule sollte nach der Veröffentlichung von jedem Angehörigen der Hochschule gelesen werden, um sich ein Bild von der aktuellen Debatte machen zu können und sich selbst zu fragen, inwieweit man sich mit der Ausrichtung der Musikhochschule Dresden identifiziert und welche Konsequenzen jeder für sich selbst zieht. Das Leitbild ist kein unantastbares Manifest, sondern muss als Grundlage für eine hochschulinterne Debatte dienen. Diese Diskussion ist notwendiger Bestandteil unseres gemeinsamen Hochschullebens – damit das Leitbild nicht zum Leidbild wird!
Unser Schmuckstück – die Bibliothek
Eine Einrichtung sucht die Aufmerksamkeit der Einflussreichen
von Felix Weickelt
Bibliotheksansichten, Fotos (montiert): Felix Weickelt
Der Unterschied zwischen anscheinend und scheinbar liegt bekanntlich darin, dass Ersteres existentiell, Scheinbares aber nur vorgibt zu sein und somit einer Illusion, manchmal sogar einer Lüge gleicht. Mehrfach schon präsentierte sich die Hochschule für Außenstehende mit ihren stolzen Räumlichkeiten in Bezug auf die Bibliothek unter jener Titelüberschrift, während der kleine folien-gefasste, am weißen Geschenkband gefädelte Zettel „Bibliothek geschlossen!“ mit der Vorderseite zum Beobachtenden von einer anderen Wahrheit zeugte.
Mit dem Umzug der Bibliothek 2008 fielen die vorauszusehenden Probleme, entstanden durch und entschieden unter den auferlegten Sparzwängen beim Neubau, hinter die Errungenschaft einer Freihandaufstellung. Im Gutachten des im Umzug der Sächsischen Landesbibliothek, Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) erfahrenen Kooperationspartners, Frank Aurich, heißt es: „Als äußerst problematisch wird die Raumsituation der künftigen Bibliothek eingeschätzt.“ Zur Begründung werden der Platz für den notwendigen Bestandszuwachs und die Situation der Mitarbeitenden aufgeführt: „Geradezu unerklärlich ist der Verzicht auf Büroraum für Mitarbeiter der Bibliothek. Die Alltagsgeschäfte sind ohne angemessene Arbeitsplätze nicht zu leisten.“ Der für die Hochschule ebenso elementare Bewegungsraum etwa mache jene fehlende, ursprünglich dafür vorgesehene Fläche aus, eine herbe Zumutung für das damalige Rektorat. Bewegungsraum und Biblithek haben sich seither etabliert. Das Problem ist aber nicht weg, indem man nicht darüber spricht.
Ohne Content Management Systeme ist selbst die hiesige Bibliothek unvorstellbar. Unvollständige Katalogisate sowie die fehlenden (Online-)Zugriffsmöglichkeiten verhindern aber nicht nur das Nutzen der Datenbanken, sondern auch das einhergehende Bewusstsein deren Vorteile. Martina Meißner, zuständige Referentin im SMWK, beschreibt die Situation der Bibliothek sogar als „ungünstigste im Vergleich aller sächsischen Hochschulbibliotheken“.
Im nun vom StuRa aufgestellten alternativen Entwicklungsplan für die Hochschulbibliothek „Zukunft im Glasbau“ gelten folgende Grundsatzforderungen: Der StuRa fordert von allen Hochschulangehörigen, vor allem deren vertretenden Gremien und Persönlichkeiten, das ideelle Engagement für die qualitative Entwicklung der Bibliothek als wissenschaftliche Ressource und als attraktiver Studierplatz. Er fordert auch ein beständiges Maß finanzieller Unterstützung vor allem zu deren quantitativ stabilen personellen Ausstattung sowie die Umsetzung konkreter, zum Teil nachträglicher oder überfälliger Maßnahmen.
Worin bestehen aber diese relevanten Maßnahmen und Ziele einer modernen dienstleistenden Bibliothek? Der gegenwärtigen (Arbeits-)Platzsituation kann kurz-fristig nur mit pragmatischen Lösungen entgegengewirkt werden. Andere Musikhochschulen stationieren Übecontainer, warum die Dresnder also keine Bürobox? Die Bibliothek als wissenschaftlicher Quellort mit ihren Studierplätzen bedarf des WLANs am dringensten. Für die Studierenden sollte ein sinnvolles und engagiertes Angebot zur Einführung in die wissenschaftliche Arbeit und Ressourcennutzung etabliert werden. Neben einer innovativ und transparent arbeitenden Bibliothek vor Ort sollte den Studierenden der „Weg“ in die exzellent ausgestattete SLUB nachdrücklich empfohlen werden...
Unser Schmuckstück ist zum Mythos geworden. Demgegenüber steht das neu verfasste Image und das Leitbild der Hochschule. Für deren Handlungsfeld „Wissen“ stellt die Bibliothek einen wichtigen Standortfaktor dar, der anscheinend Raum benötigt. Engagement beginnt aber auch damit, dass alle Hochschulangehörigen ihre Wünsche zur Anschaffung von Literatur nachdrücklich äußern.
Kompletter alternativer Entwicklungsplan für die Hochschulbibliothek Download als PDF (33 KByte)
Servie und Profil
Fragen an Isabell Tentler
Wie lautet Ihre Prognose für die Bibliotheken im 21. Jahrhundert?
Es ist und bleibt Aufgabe der Bibliotheken, Zugang zu Wissensquellen zu ermöglichen, das heißt Informationen zu sammeln, aufzubereiten und bereitzustellen. Dazu gehören neben dem klassischen Buch, CDs und DVDs usw. stark zunehmend digitale Medien, insbesondere Datenbanken. Schon heute gibt es Fachzeitschriften, die nur noch in digitaler Form erscheinen. Die Bibliotheken im 21. Jahrhundert werden neben der Erfüllung ihrer herkömmlichen Aufgaben ein multimedialer Lernort und ein Ort des Meinungsaustausches sein. Dazu sollten die räumliche Gestaltung (Sitzecken, Gruppenarbeitsräume), das Mobiliar und die technische Ausstattung (WLAN, Computerarbeitsplätze) zum Verweilen einladen.
Wohin wollen Sie unsere Hochschulbliothek führen?
Sie muss sich den gewandelten Anforderungen anpassen. Dazu möchte ich vor Ort elektronische Medien, wie Recherche-Datenbanken, E-Journals oder E-Books mit zeitgemäßen Konzepten zur Verfügung stellen. Auch finde ich es wichtig, ein eigenes Profil herauszubilden, das heißt sich auf bestimmte Gebiete zu spezialisieren. Selbstverständlich werden Noten und Standardwerke angeschafft. Nicht jedes Thema aber kann bedient werden.
Platzmangel – Büroansicht anstatt eines Portraits der Bibliotheksleiterin, Foto: Felix Weickelt
Profizitiert
Kluge Professoren würzen ihren Unterricht gern mit Zitaten und Sprüchen. Hier erscheinen die besonderen. Den Anfang macht Malte Burba, Professor für Trompete und seit 2009 in Dresden.
„Wer langsam übt, kommt schnell voran.“
„Kunst kommt von Können. Käme es von Wollen, so hieße sie Wulst.“
Friedrich Nietzsche
„If wrong then strong.“
„Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.“
Gottfried Benn
„Wenn man lange genug das Richtige tut, wird man eines Tages auch dafür belohnt.“
„Geht nicht, gibt’s nicht.“
„Wer sich zu wichtig für kleine Arbeiten hält, ist meistens zu klein für wichtige Arbeiten.“
Jacques Tati
„Wenn man etwas richtig macht, fängt die eigentliche Arbeit erst an.“
Nachrichten
Der StuRa sucht zum Wintersemester 2012/2013 engagierte StuRa-Kandidaten zur besonderen Verantwortung!
Formlose Bewerbung mit Name und Kontakt an stura@hfmdd.de
oder persönlich während der wöchentlichen Zusammenkunft
Want you for student council from fall semester 2012/2013!
Contact: stura@hfmdd.de or visit one of our weekly meetings Thursday at 7 pm in the student council room
Mensabericht
Seit März bezieht die Mensa Stimmgabel das Mittagessen von der Mensa Bergstraße. Das Kochen in der hiesigen Mensa ist leider unmöglich. Das Studentenwerk bemüht sich aber offenkundig um die Qualität des Möglichen, die der StuRa in Gesprächen mit den Verantwortlichen immer wieder eingefordert hatte. Dazu gehören auch die Ausgabezeiten von 11.30 Uhr bis 14.30 Uhr. Das Anheben des Tassenpfandes auf zwei Euro wird allseits als unangenehm empfunden und ist allein Folge einer säumigen Rückgabekultur.
Hat es geschmeckt? Oder nicht? Tasty or not? Feedback lohnt sich!
Externer Link
Tischtennis live
Für alle Hochschulangehörigen steht ab sofort gegenüber des Fitnesslabors eine Tischtennisplatte samt Zubehör bereit. Anleitung zur Benutzung: an der Pforte anmelden → Schlüssel für Sperre und Zubehörkiste geben lassen → spielen auf dem Campus oder im Gang → aufräumen und abmelden.
Klavierklassifikation
Sie wird gerade durchgeführt. Demokratischer wird es, wenn viele mitarbeiten: Tasteninstrumente testen, die Schulnoten 1 bis 6 verleihen und Zettel beim StuRa abgeben. An dieser Stelle Danke an Paul Kirbis für die umfangreiche Zuarbeit!
Leubnitzer Straße
Die Überäume der Leubnitzer Straße stehen bis auf das Computerkabinett zur freien Benutzung bereit (Anmeldung mit Hochschulausweis am dortigen Eingang). Ab sofort kann auch das dortige Percussionzimmer von der Pforte am Wettiner Platz aus gebucht werden.
Photoshopworkshop
Eintägiges und kostenloses Seminar zur Einführung in das Arbeiten mit Adobe Photohop, speziell für Musikstudierende (Fotobearbeitung, Erstellung von Printmedien usw.) – Termin wird zeitnah bekanntgegeben.
Kultur wozu?
Offene Diskussionsplattform zum Thema Kulturkürzungen in Deutschland. Aktuelles Beispiel: geplante Kürzungen im Orchesterbereich des Südwestrundfunks Externer Link
Oops! I did it again!
Quelle: Externer Link
Nutze das Reparaturheft für Tasteninstrumente an der Pforte!
Ask for the keyboard instrument repair book at the reception!
Ältere Ausgaben aus dem Studienjahr 2011/2012 zum Nachlesen
- Probeschuss vom April 2012 Download als PDF (1,1 MByte)
- Probeschuss vom Januar 2012 Download als PDF (1,1 MByte)
- Probeschuss vom November 2011 Download als PDF (4,6 MByte)
- Probeschuss vom Oktober 2011 Download als PDF (7,6 MByte)
Ältere Ausgaben aus dem Studienjahr 2010/2011 zum Nachlesen
- Probeschuss vom Juli 2011 Download als PDF (1,7 MByte)
- Probeschuss vom Mai 2011 Download als PDF (3 MByte)
- Probeschuss vom April 2011 Download als PDF (3,2 MByte)
- Probeschuss vom Januar 2011 Download als PDF (1,8 MByte)
- Probeschuss vom Dezember 2010 Download als PDF (2,4 MByte)
- Probeschuss vom November 2010 Download als PDF (1,7 MByte)






