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Szenenfoto Opernklasse
Seminar mit Dr. Mösch zum Figaro

Wie sah die Uraufführung der „Hochzeit des Figaro“ aus? Und wie klang sie? Noten, Kommentare und Briefe von Mozart selbst und seinen Zeitgenossen sind zwar erhalten und eine Flut musikwissenschaftlicher Texte fand gute Argumente, Thesen und Theorien zu jedem einzelnen Element des überlieferten Materials. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, entsteht vor unseren Augen heute nur ein splitterhaftes Bild davon, was genau am 1.Mai 1786 im Burgtheater in Wien und die folgenden 100 Jahre geschah. An diesem Zustand hat sich erst mit der Einführung der Aufzeichnungstechnik von Ton und Bild etwas geändert. Heute liegen eine kaum zu überblickende Anzahl von Ton- und Filmaufnahmen von Figaros Hochzeit vor.

Dr. Stephan Mösch, Chefredakteur der Zeitschrift Opernwelt, unternahm es, das Material für ein von Prof. Dr. Heinemann und Prof. Baumann initiiertes Blockseminar zu ordnen und gleichzeitig aus dem Blickpunkt der Theaterwissenschaft die Architektonik stilbildender Inszenierungen einem Vergleich zuzuführen. Die Ergebnisse dieser Arbeit wurden von ihm am 28. und 29.01.12 an der HfM Dresden präsentiert.

Mösch bezog dabei u.a. Filmaufnahmen der Inszenierungen von Rennert (Salzburger Festspiele 1966), Felsenstein (Berlin 1976), Peter Sellars (New York 1983), Marthaler (Salzburg 2001) und Klaus Guth (Salzburg 2006) ein. In einer mustergültigen Aufführungsanalyse zeichnete Mösch dabei Handschriften stilbildender Regisseure, der musikalischen Leitung und deren Zusammenspiel nach. Im Kontext der herrschenden Aufführungspraxis der jeweiligen Zeit entstand dabei ein komplexes Bild der Zeitgeschichte der einzelnen Aufführungsepochen. Plastisch wurden auch die Brüche und Revolutionen in der Rezeption und Aufführung des Werkes, beispielsweise die seit den siebziger Jahren angewandten Instrumente der Dekonstruktion, Intertextualität, Fragmentierung oder des Einbaus verschiedener Erzählebenen, dargestellt.
Als Beigabe zur Aufführungsanalyse stellte Mösch Betrachtungen über Protagonisten des Mozart-Gesanges des 20. Jahrhunderts an. Aufnahmen u.a. mit der 1848 geborenen Lilli Lehmann (mit einer späten Aufnahme von 1906) über Richard Mayr (1922), Maria Cebotari (1947), George London (1953) bis hin zu Maria Callas (1963/64) wurden ausgewertet. Dies und viele weitere Hinweise auf Personage und praktische Regiefragen weisen Mösch als einer der besten Kenner des Opernlebens aus und empfehlen den Blick in die von ihm herausgegebene Zeitschrift Opernwelt.